HERR DER RINGE: DIE EROBERUNG

pusbisher: electronic arts

vö: 15.01.09

system: xbox 360 (test), nds (test), ps3 , pc

wertung: 7.8 von 10 (360), 7.1 von 10 (nds)


   

habt ihr euch auch schon mal gefragt, was mit mittelerde passiert wäre, wenn es der kleine hobbit frodo nicht geschafft hätte, den uber-ring in den tiefen von (hier bitte den namen des bergs eintragen, den ich gerade vergessen habe) zu versenken? was, wenn sauron selbst bei den epischen kämpfen von gut gegen bösen teilgenommen hätte? nun, das liegt jetzt in euren händen. denn in „herr der ringe: die eroberung“ dürft ihr euch in massenschlachten um helms klamm oder den minen von moria stürzen - und zwar nicht nur aus sicht der guten.

electronic arts sei dank ist der post-weihnachtliche winterschlaf der games-industrie relativ kurz gewesen. sie schicken schon im janaur einige spiele raus, die es wert sind, unter die lupe genommen zu werden. die neue lizenz-verwertung von tolkins saga gehört sicher dazu. in dem neusten hdr-abendteuer steht aber widererwarten nicht der rollenspiel-aspekt im vordergrund, sondern viel mehr die action. denn ihr werdet an die front beordert, um in der ersten kampagne mittelerde in schlachten, die weitestgehend der buch- und filmvorlage entnommen sind, vor der dunklen armee zu verteidigen. ist das geschafft, wechselt ihr die seiten. einem neuen plot folgend, liegt es an euch, frodo zunächst den einen ring abzujagen und dann als saurons lakai oder dem finsteren herrscher selbst die welt zu unterjochen.

um das zu schaffen, gilt es in jedem kampf, in dem man geworfen wird, auf der basis eines capture the flag-systems bestimmte punkte einzunehmen. diese orte dienen als respawn-stellen. sind sie alle in der hand eines heeres, kann der gegner keine verstärkung auf das schlachtfeld holen und der kampf ist entschieden. oft reicht es aber schon, festgelegte aufgaben zu bewältigen. das system kommt euch irgendwie bekannt vor? das entwicklerstudio pandemic ist unter anderem für die „star wars: battlefront“-reihe verantwortlich. „die eroberung“ ist eigentlich eine umsetzung dieser mechanik ins hdr-universum. allerdings spielt es sich nicht immer so.

denn vor eurem spawn dürft ihr entscheiden, mit welchem typ soldat ihr ins getümmel wollt. im allgemeinen dürft ihr zwischen dem krieger, dem bogenschützen, dem magier und dem späher wählen. jeder hat seine vor- und nachteile. während zauberer mit ihren blitzen einen mittleren schaden anrichten kann und nicht die schnellsten sind, können sie auf der anderen seite sich und andere heilen. die fußsoldaten schlagen kräftig zu und können einiges ab, sind aber anfällig gegen fernabgriffe, weil sie sie nicht einfach direkt abwehren können. der späher kann sich unsichtbar machen und stealth-kills vollführen, in der verteidigung ist er jedoch nix. ein ausbalanciertes schere-stein-papier-prinzip eben.

entscheidet ihr euch für fernkämpfer wie bogenschütze oder magier, findet ihr sicher parallenen zu „battlefront“. schießlich war, zumindest im ersten teil, praktisch jeder charakter nur mit lasern und granaten ausgestattet. im nahkampf würde sich dagegen eher ein vergleich mit „dynasty warriors“ anbieten. zwar sind lang nicht so viele figuren auf dem bildschirm, wie beim samurai-gehaue, aber weggeprügelt werden die kontrahenten genauso. und wie beim japano-spiel bekommt ihr auf euren feldzügen aufgaben zugeteilt, die erledig werden müssen. da wollen mystische dinge zu einem bestimmen bereich gebracht, oberbefehlshaber getötet und gerätschaft eskortiert werden. viel abwechslung bieten die missionen nicht und die schwierigkeiten, großen einheiten wie balrogs oder ents auf den rücken zu steigen und dann mittels quicktime-event den garaus zu machen, halten sich in grenzen. aber sie wirken einer standart-metzelei ohne abwechslung entgegen. die waffen wirken übrigens authentisch, der schwert also schwer und der bogen in gespannter haltung eben gespannt.

im laufe eines levels werdet ihr zwei änderungen feststellen: zum einen werdet ihr stärker, zum anderen findet ihr in der spawn-charakter-auswahl auf einmal die großen helden der saga. je nach schauplatz stehen aragorn, saruman, legolas, sauron, gandalf und co. zur verfügung. da kommt heldenfeeling auf, wenngleich sie im gegensatz zum einfachen soldaten eigentlich nur mehr power und spezialattacken vorweisen können. aber das vermeintliche kanonenfutter kann sich ebenfalls etwas aufpowern, in dem es sich reittiere wie pferde oder olifanten schnappt und durch die feinde pflügt. je größer das vieh, desto destruktiver seine bewegungen.

beim kleinen nds-ableger gibt es keine großen tiere. die würden die bildschirme wohl sprengen. außerdem werden nur drei charakterklassen plus held angeboten. doch das grundlegende ziel ist das gleiche, nämlich die einnahme von stellen, in diesem fall fahnen. fünf sekunden bei einer verbracht, schon sind sie eingenommen und eine spawnmöglichkeit erschlossen. dazu werdet ihr, wie bei den großen brüdern, regen gebrauch von den buttons machen, um zu drucken, schwache und starke angriffe (bei der xbox 360 mit viiiiielen combo-möglichkeiten) auszuführen oder zu zaubern. und wie beim großen bruder solltet ihr nach farbbällen ausschau halten und einsammeln, die gesiegte gegner droppen. die gelben machen euch schneller, die blauen stellen mana da und powern die specials auf, grün steht für lebensenergie, rot erhöht die an angriffskraft. bis zu drei rote kugeln könnt ihr bunkern und euch damit stärker machen. sterbt ihr, sind die wieder weg. also vorsicht und nicht einfach unter dem motto „ist doch eh egal“ abschlachten lassen.

machen wir mit den vergleichen weiter: bei beiden version trällert der originalsoundtrack über die boxen, ist ansonsten recht realistisch anmutendes kriegstreiben zu vernehmen und auch originalszenen aus den filmen wurden verbraten. die sind manchmal (und besonders bei dem ds) etwas kurz. trotzdem schön, dass es sich überhaupt gibt. außerdem wird die lebenenergie des anvisierten gegenübers mit einem balken über seinem kopf angezeigt – was in der ds-variante das ganze etwas unübersichtlich macht, weil er ständig bei jeder figur angezeigt wird. nicht zuletzt deswegen sind freund und feind zuweilen schwer zu unterscheiden. da machten die schlachten auf dem fernseher/monitor mehr spass. auch wird durch die aufgaben mehr abwechslung geboten, als im klein-format. online geht’s bei beiden – die nds-variante erfordert von dem weiteren mitspieler eine eigene kartusche.

vor den konsolen und pcs mit internetanschluss dürfen sich bis zu 16 spieler in deathmatch/ctf/trail/coop-modi gegenseitig pfeile, klingen und blitze an den kopf hauen. vor einem gerät dürfen bis zu vier im splitscreen ihre skills zeigen. das funktioniert erstaunlich gut und wie so oft bereitet der multiplayer am meisten spielvergnügen. da die ki nicht die allerbeste ist, bringt das richtig action in die bude. allerdings heißt ein 16ner match eben auch ein match von 16, und nicht von 16 + npcs. die schon gemachten karten wirken also manchmal sehr unterbevölkert. dennoch ein grund, den titel nach den maximal 12 stunden, in denen man den singleplayer durchbekommt, wieder in die hand zu nehmen.

die durchschnittliche spielzeit kann man durchgehen lassen, die probleme mit der kamera leider nicht. die könnt ihr theoretisch nachjustieren, aber in der hitze des gefehts, in dem ihr eigentlich immer in bewegung sein müsstet, bräuchtet ihr einen daumen für die bewegungen, einen zum zielen und einen für die kamera. was die kamera zeigt , ist ab und an ohnehin nicht so schön. die stätten sind zum teil definitv sehenswert, aber glitches, detailarmut und verschwommene texturen trüben den eindruck von der grafik. dass immer wieder simples button-mashing zu ziel führt, trägt nicht zum abwechlungsreichtum des ganzen bei.

ironischerweise hat ea das entwickerstudio pandemic, dass sie sich erst vor einigen monaten einverleibt hatten, mitte januar schon wieder aus seinen diensten entlassen. ob’s an „der herr der ringe: die eroberung“ liegt? eher nicht, denn das spiel schafft es doch überraschend oft, tolkinsches feeling aufkommen zu lassen. technisch eher mau und das kriegstreiben eher auf scharmützel-niveau geschrumpf, zeihen einen die zwischensequenzen, der sound inkl. deutscher sprachausgabe, die möglichkeit, große einheiten befehle zu geben und die aussicht, endlich mal das schicksal von mittelerde selbst in die hand nehmen können, ins geschehen. selbst der ds-version gelingt das in den magischen momenten, aber es ist häufig einfach zu chaotisch, als dass sich das gefühl hält. man hatte sich von dem titel mehr erhofft und er wird es nicht schaffen, uns für extrem lange zu binden und zu knechten. aber der durchaus gefällige mehrspieler macht den besuch in mittelerde für battlefield-freunde und hdr-fans bezahlt. wer sich davon überzeugen will, lädt am besten erst mal die demo über xbox live.

ach ja: es war der schicksalsberg!

 

richtig besetzt: http://www.die-eroberung.de