1 1/2 RITTER

pusbisher: warner brothers interactive

vö: 12.12.08

system: pc (test)

wertung: 7.5 von 10


   

im kino läuft til schweigers neuster streich recht erfolgreich, das dazugehörige pc-spiel ist in den verkaufscharts gegen die vorweihnachtskracher aber etwas untergegangen. das ist irgendwie ungerecht, denn während „1 1/2 ritter - auf der suche nach der hinreißenden herzelinde“ als film den ausschnitten zufolge eher auf das malle-publikum abziehlt, ist die pc-umsetzung ein ansprechendes point&click-adventure geworden.

die für die games-adaption eingesetzten leute haben sich nicht lumpen lassen und die macher vom sehr guten, vielleicht besten 2d-abendteuer des jahres „edna bricht aus“ sowie dem unterschätzten „experience 112“ engagiert. das hat sich ausgezahlt. was sie aus der vorlage gemacht haben, kann sich sehen lassen. dabei bleibt die hintergrundgeschichte die gleiche: prinzessin herzelindeist vom schwarzen ritter entführt worden. ihr bodyguard, ritter lanze, war zur tatzeit leider betrunken, konnte das nicht verhindern und landet wegen trunkenheit im dienst im königlichen kerker. nachdem er sich befreit hat versucht er zusammen mit dem türkischen möchtegern-ritter erdal gleiches mit der holden maid. es winken ruhm, ehre, geld und ein reingewaschener name.

klar spielt ihr lanze/till schweiger, der über eine einfache maussteuerung durch die 2d-landschaften geleitet werden und mit der umgebung interagieren kann. ein langer druck auf die linke maustastet öffnet das minimenü, über das dinge eingesammelt, mit leuten gequatscht oder etwas näher zu betrachten. ansonsten ist eigentlich nur noch die space-taste interessant. ein druck darauf offenbart sämtliche hotspots in dem bild, also alles wichtige, das ansprechbar, greifbar oder einsteckbar ist. das ist bei adventuren inzwischen gang und gebe. bevor jetzt jemand „cheating!“ brüllt: nur weil man ein objekt hat, muss man noch lange nicht wissen, was man damit anstellen muss. und niemand wird gezwungen, dieses feature zu verwenden.

nicht nur auf den ersten blick erinnert alles ein wenig an die guten alten lucasarts-spiele. die illustre inszenierung, die mal mit holzhammer-, mal mit augenzwinker-witzen aufwartet, findet in einer handgezeichneten, charmanten, detailreichen 2d-welt ab. die eigentlich recht einfache optik passt in das setting und sie hat sie den vorteil, dass selbst notebooks mit ihr klar kommen. die mindestvoraussetzungen (1ghz, 512mb ram, 64mb-3d-grafikkarte) dürften selbst für betagte rechner nicht vor unüberwindbare hindernisse stellen.

man will es fast nicht glauben, aber die hauptrollen werden tatsächlich von den originalen gesprochen. herr schweiger, herr kavanian, herr kier und frau geben sich die ehre. ihr „gesprochenes“ schauspielerisches talent bleibt allerdings manchmal auf der strecke, weil sie es nicht immer schaffen, emotionen zu transportieren. dann klingt es stellenweise etwas monoton und gelangweilt. ansonsten sind die soundeffekte standart, nicht mehr aber eben auch nicht weniger.

das größte minus kassiert der titel allerdings für das ein oder andere rätsel. soll man wirklich von alleine darauf kommen, dass federn plus ein brot eine bürste ergibt, mit der man teer von vermeintlich stählernen stäben runterkratzt, um dann festzustelle, dass die stäbe nur aus holz sind? gut, es macht spass, mit allem herumzuexperimentieren, weil die chancen auf einen hörenswerten spruch durchaus gegeben sind. aber gedankenstränge dieser art wirklich selbständig zu entwickeln würde schon von einem gewissen wahnsinn zeugen. neben diesen zuweilen im doppelten sinne komischen einlagen gibt es noch einige mini-spiele, die nicht gener-typisch sind, sondern eher als pausen vom anstrengenden grübeln dienen. da wird unter anderem roulett mit einem ei gespielt, dass ein huhn frisch auf den tisch bringt oder es wird quartett mit den eigenschaften von pferden gespielt. drei kleine games, die auch außerhalb des adventures gezockt werden können, werden, nachdem man sie im adventure gezockt hat, als extra außerhalb des eigentlichen szenarios freigeschaltet und sind dann frei spielbar.

„1 1/2 ritter - auf der suche nach der hinreißenden herzelinde“ ist kein neues „monkey island“, aber es ist überraschend gut. wie im film dürfte der humor nicht jedermanns sache sein und trotzdem wird das spiel adventure-freunde ansprechen. die rästel sind fordernd (wenngleich zuweilen die logik-frage gestellt werden kann und sollte), der comic-stil ansprechend und die mini-games als kleine dreingabe runden das alles noch ab. durchaus überdurchschnittliche point’n’klick-ware, die genre-fans überzeugen kann – und fans des film wahrscheinlich sowieso.

die seite zum film und zum spiel - mit demo zum antesten! http://wwws.warnerbros.de/ritter/