Codemasters besaß die Lizenzen für das Spiel bereits seit dem Jahre 2008, doch sie haben sich Zeit gelassen und brachten erst dieses Jahr „F1 2010“ auf den Markt. Doch das Warten auf diesen Titel hat sich für Fans der Serie wirklich gelohnt, denn nun bietet euch das Spiel eine Rennatmosphäre der Meisterklasse und hatte noch nie zuvor solch einen Eindruck hinterlassen wie jetzt.
Gleich nach dem Einlegen der Spiele-Disk kommt das richtige Feeling auf. Schon im Startmenü heulen die Motoren auf. Im Spiel könnt ihr im Rennen auf insgesamt fünf verschiedene Perspektiven zurückgreifen. Da gibt es für die Fortsetzung des Feelings vor allem eine Wahl: Am meisten Spaß macht das mit der Helmkamera. In dieser Perspektive bekommt man das Gefühl, als würde man bei einer Live-Schaltung im Fernsehen mitfiebern. Diese Einstellung hat zwei Vorteile - Zum einen habt ihr das Lenkrad des Fahrers genau im Blick und zum anderen habt ihr eine sehr gute Sichtweise über die Strecke. Was noch einen Tick auf Realismus getrimmt ist, dass ist der Helm des Piloten, den ihr auch im Blick habt, dieser wird nämlich bei hohen Geschwindigkeiten, bei Kurven und sogar bei Umwegen über den Schotter, ziemlich stark herum geschüttelt - genauso wie es sein soll.
Habt ihr euch nun eine Perspektive ausgesucht, so geht es im Renngeschehen weiter. Nachdem ihr also die erste gesamte Runde hinter euch gelassen habt, wird euch auffallen, dass sich das gesamte Fahrerfeld etwas in die Länge gezogen hat. Fast überall ist der gewünschte Spielraum. Nun können wir nun auch einmal ausprobieren, wie schnell unser Wagen eigentlich auf Hochtouren kommt. Auf den Geraden Teilen der Strecken treten wir das Gaspedal komplett durch, in den kleinen Kurven versuchen wir der Ideallinie zu folgen und durchfahren sie mit Schlangenlinien, bei scharfen rechts und links Kurven gehen wird ein wenig vom Gas, damit wir diese auch noch einmal grandios absolvieren können. Im Bild erkennen wir eine Anzeige, die uns immer wieder markiert, wo es am Auto Probleme gibt. So steigen die Temperaturen vom Motor beispielsweise ein wenig zu hoch. Ganz wie im realen Rennen habt ihr auch einen Renn-Ingenieur an eurer Seite. Dieser teilt euch per Funk immer genau mit, was Sache ist. Er gibt euch Bescheid, wann ihr zum Boxenstop erscheinen müsst, ob sich die Wetterlage ändert, auf welcher Position ihr gerade seid oder ob ihr die Möglichkeit zum Überholen habt uns so weiter. Nach einigen dummen, weil unüberlegten Manövern endet das Rennen für uns auf Rang 6. So ist das, wenn man meint, in einer Simulation ein bisschen auf Arcarde machen zu müssen. So und nicht anders muss aber eine gelungene Rennsimulation sein, die Lust auf mehr macht und vor allem das Ego jeden Spielers weckt.
Ihr könnt im Spiel selbst bestimmen, ob ihr ABS, Benzin- und Reifensimulation oder den Bremsassistenten benutzen möchtet, und festlegen, ob sich die verschiedenen Schadensmodelle auf die weitere Fahrt mit dem Wagen auswirken sollen. Auf jeden Fall wirkt sich Regen auf euer Fahrverhalten aus – und zwar mächtig. Wenn es mal anfängt, wird die Rennstrecke nach und nach immer feuchter und es bilden sich kleinere Pfützen. Landet ihr hinter einem Auto, landet die Gischt auf eurem Visier. Der Blick auf die Rennstrecke wird durch die einzelnen Regentropfen auf der Linse der Kamera erschwert. Kein anderes Rennspiel hat eine bessere Darstellung von Niederschlag und dessen Auswirklungen. Denn wenn das Wetter schlecht wird, müsst ihr euch noch mehr konzentrieren, um nicht von der Bahn zu fliegen.
Hauptbestandteil des Spiels ist der enorme Karrieremodus. Ihr beginnt direkt mit dem Einstieg in die höchste Motorsportklasse. Zu aller erst müsst ihr euch für ein Team entscheiden, mit dem ihr die Rennen bestreiten wollt. Zu Beginn stehen euch jedoch erst etwas kleinere Teams zur Auswahl. Nachdem ihr euch für einen dieser Rennställe entschieden habt, unterschriebt ihr schnell den Vertrag und startet eure Karriere mit dem ersten Rennwochenende. Auch hier wurde viel Wert auf Realismus gelegt, denn die müsst ihr der Reihenfolge der Saison 2010 entsprechend angehen. Es wird also in Bahrain gestartet.
Während ihr im Grand-Prix-Modus nur mindestens eine Runde absolvieren zu absolvieren braucht, müsst ihr in der Karriere zumindest 20 Prozent des echten Rennens bestreiten, um zahlbares auf eure Abrechnung zu bekommen. So warten im Durchschnitt rund 10 bis 12 Runden je Strecke auf euch. Wer zu den eingefleischten Fans gehört, der kann auch die komplette Rundenanzahl fahren. So könnt ihr auch ein Rennwochenende im gesamten Umfang beenden. Doch bevor es zum Rennen geht, müsst ihr natürlich erst einmal Eins mit der Strecke werden, d.h. trainieren. Ihr nehmt die Strecke und euer Wagen genauer unter die Lupe und testet Reifen und Einstellungen. In der Garage sitzt ihr in eurem Wagen und habt einen Informationsbildschirm im Blick. Dort wird euch auch noch eure voraussichtliche Startposition angezeigt, auch erhaltet ihr Informationen darüber, wie viele Fahrer sich momentan auf der Strecke befinden und welche Zeiten sie fahren. Ihr entscheidet, wann ihr in das Training oder die Quali eingreifen wollt und ob Veränderungen vorgenommen werden sollen. Neben der Wahl der Reifen könnt ihr an den Front- und Heckflügeln, an der Aufhängung, der Balance und der Bremsen fummeln lassen. Wer davon keine Ahnung hat und sich nicht lange mit solchen Themen beschäftigen möchte, der kann auch auf ein Schnell-Setup zurückgreifen. Erst, wenn ihr Training und Qualifikation hinter euch gelassen habt, geht’s ans Eingemachte.
Für den Fahr-Realismus sorgen Optionen in den Bereichen ABS, Benzinverbrauch, Reifenabnutzung und Bremsassistent. Je nach gewählter macht es die Fahrt zu einem (relativen) Kinderspiel oder zu einer echten Herausforderung. Die Wirklichkeitsnähe setzt sich in Details fort: Nicht nur die Fahrer, Teams und Wagen wurden der Originalen nachempfunden, sondern auch das gesamte Boxenteam. Boxenstops dauern mal länger mal kürzer, die Boxenluder wurden nicht vergessen und den Teamfunk bekommt ihr direkt aufs Ohr. Das Fahrverhalten der Konkurrenten wurde jeweiligen realen Vorbilder angepasst. So können sie einen aggressiven Fahrstil an den Tag legen oder sie tuckern gemächlich ihre Runden zu Ende. Vor allem beim Start werdet ihr ab und an angeschoben oder in Kurven, werden sie euch keinerlei Platz machen und riskieren somit einen Unfall, den ihr anschließend verursacht haben wollt und bekommt somit eine Strafe von der Rennleitung aufgebrummt. Hin und wieder machen auch die anderen Fahrer Fehler. Am häufigsten bei Regenwetter. Berührt ihr einen der Mitstreiter unsanft, so zerspringt zum Teil der Seitenspiegel oder euer Fronflügel wird in seine Einzelteile zerlegt und fliegt in der Luft herum. Daraufhin wird eine kleine Gelb Phase eingeleitet, die sich jedoch nach ein paar Sekunden wieder erledigt hat. Ein Safety Car gibt es allerdings leider nicht. Nach dem Rennen warten natürlich auch die Medien auf euch, die euch unzählige Fragen stellen. Habt euch einen Podiumsplatz ergattern können, so geht die gleich darauf in die Pressekonferenz. Je nachdem welche vorgegebene Antwort ihr auf die Fragen gebt, entwickelt sich eine bestimmte Beziehung zu anderen Rennställen. So das nach und nach mehr Vertragsangebote von besseren Teams auf euch warten.
Kaum ein anderes Spiel ist optisch so realistisch wie dieses. Im Rennen wirken die Strecken sehr lebendig und detailgetreu ohne sich zu keinem Zeitpunkt vom Vorbild abzuheben. Wenn die Sonne scheint, wird die Strecke in verschiedene leuchtende Farbspiel getaucht und auch die Umgebung spiegelt sich in eurem Wagen wieder. Doch der Regenwettereffekt ist, wie erwähnt, das Herz dieses Spiels. Ab und an kann man das Original vom Imitat wirklich nicht mehr Vergleich und man denkt wirklich man würde sich gerade ein Rennen im Fernsehen anschauen. Auf den Strecken ist alles an den Stellen, so es hingehört, so wurden Häuserfassaden identisch ins Spiel eingebracht.
Es gibt viel Licht, aber auch kleinere Schatten. Über die manchmal nicht verständlichen Kommandos aus der Box, den ab und an auftauchenden Bildrucklern und dem vergessenen Safty Car lässt sich aber leicht hinwegschauen. Wirklich schade ist das Potential, das der Multiplayer verschenkt. Er läuft in der Regel reibungslos und es kommt immer wieder zu spannenden Duellen. Doch irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass man z.B. mit der Speicherung von Rankings, verschiedenen Modi (Einzelmessung der Strecken bzw. Liga-System) oder Online-Vergleichen der Mitstreiter einfach ein paar Features mehr hätte einbauen können, die dem Spielspaß entgegengekommen wären.
Fazit:
„F1 2010“ dürfte für jeden Fan des Sports eine Offenbarung darstellen. Trotz kleinerer Macken, die einem mit der Zeit auf jeden Fall auffallen werden, überzeugt das Rennspiel in praktisch allen Bereichen. Die wunderschöne Grafik, die realistischen Motorgeräusche und die vielen Einstellungsmöglichkeiten lassen den Adrenalinpegel kurz vor dem Rennen immer wieder aufs neue ansteigen - darauf haben wir lange genug gewartet. Auch Rennspielfans, die eher einen Bogen um die Formel 1 gemacht haben, sollten sich den Titel genauer anschauen.
Der Link zum Spiel: www.formula1-game.com
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