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BRINK

Publisher: Bethesda

System: PS3 (Test), XBox 360, PC

wertung: 8,5 von 10



   

Man nehme zwei verfeindete Länder, kaum zu unterscheidende Soldaten Marke Standrad und Einzelgänger, denen Missionsziele total egal sind und nur auf Kills gehen. Was kommt heraus? Ein x-beliebiger Weltkriegsballerei, von denen wir in letzter Zeit eine ganze Menge sahen. Von dem Brei setzt sich Bethesdas Online-Shooter „Brink“ wohltuend ab. Das bezieht sich sowohl auf das Setting als auch auf Grafikelemente und das Gameplay, das einige frische Elemente präsentiert. Sie allein sind es schon wert, einen Blick auf den Titel zu werfen und sollten euch neugierig auf die etwas andere Art von Online-Gefechten machen.

Es ist nicht gerade so, dass Shooter mit einer tiefgründigen Hintergrundgeschichte aufwarten müssen. Aber wenn es nicht um die üblichen Weltkriegsszenarien geht, wird man als Spieler neugierig und sperrt zumindest beim ersten Laden Augen und Ohren für das Intro auf. So auch bei „Brink“. In einem schmucken Filmchen erfahren wir, dass vor 40 Jahren eine schwimmende Stadt gebaut wurde, die Ark. Eigentlich war sie als so etwas wie die Zuflucht der elitären Gesellschaft geplant. Nach dem Anstieg des Meeresspiegels fanden aber auch Flüchtlinge zu den Andockstationen und bauten mit Hilfe von Containern u.ä. kurzerhand weitere Stadtteile an. Doch dann wurde die Ark von der Außenwelt im Stich gelassen und begann zu verrotten. Die unerwünschten Gäste, deren Wohngebiete verarmte Slums verkommen sind, wollen deswegen die Stadt unter ihre Kontrolle bringen, von ihr flüchten und das Heil auf dem Festland suchen. Die Sicherheitskräfte stellen sich den Widerständlern entgegen. Sie wollen nicht zulassen, dass die Anarchos mit ihren perfiden Mitteln wie Geiselnahmen oder Sabotageakte ans Steuer kommen und glauben daran, dass Ordnung der Weg ist, das Werk ihrer Chefs wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Und als dann beide Seiten zu den Waffen greifen, stellt sich die Frage: Wollt ihr die Ark retten oder von ihr entkommen?


Räuber und Gendarm

Das ist auch genau die Frage, mit der ihr nach dem Start der Solo-Missionen konfrontiert werdet. Wie ihr sie beantwortet, ist letztendlich eher zweitranging – ihr werdet euch früher oder später sowohl durch die Einzelspieler-Kampagne der Sicherheit und die des Widerstands geschlagen haben. Richtig wichtig, mit Wendungen und großartigem Spannungsbogen versehen, ist die Story jedoch nicht. Sie gibt die Rahmenhandlung wieder und stellt in den zweimal sechs (plus zwei Extra-) Missionen einen guten Einstieg in die Welt der Ark dar. Die ist für grundsolides Teamplay ausgelegt worden. Das zeigt etwa die Tatsache, dass grundsätzlich 8 gegen 8 gezockt wird und - wenn man es nicht in den Optionen ausschließt – zu jeder Zeit und eben auch in der Solokampagne Spieler die Slots besetzen können, an deren Stelle bis zum Einstieg Bots mit oder gegen euch kämpfen. Weil der Übergang so fliesend abläuft, fällt die Ein- und Auswechslung kaum auf. Unterscheiden kann man Mensch und KI allerdings gut am Verhalten: Die Computer gesteuerten Figuren arbeiten auf das Erreichen ihres Missionsziels hin. Viel Raum für Taktik ist da nicht und der kopflose Run zu der Stelle, an der es etwas zu tun gibt, macht die Computerkrieger zuweilen zu Schießbudenfiguren. Dagegen versuchen real existierende Hirne normalerweise, ihren Assault-Mode-typischen Offensiv- oder Defensivaufgaben vielleicht über Umwege, durch bewusstes Zurückfallenlassen oder versteckt hinter den feindlichen Linien agierend nachzukommen. Dann wird’s richtig launig. Vor allem, wenn sich zusätuzlich noch per Teamspeak abgesprochen wird.

Rambos, go home - Klassen sind gefragt!

Ob mit der eigentlich ordentlichen, auffallend treffsicheren KI, kooperativ mit Kumpels oder im Mulitplayer-Getümmel: Selbstverliebte Ballermänner haben keine Chance auf den insgesamt acht Maps, die Splash Damage bislang anbietet. Die Missionen drehen sich nicht um die Anzahl der Frags, sondern um das Eskortieren von Personen oder Gerätschaften, das Verteidigen oder Zerstören einer Anlage, sowie das Interagieren mit Terminals. Damit das gelingt, müssen die Spezialfähigkeiten der vier wählbaren Klassen richtig einsetzt werden und die klassenspezifischen Aufgaben erfüllen. Gilt es, ein Tor zu sprengen, muss der Soldat ran. Er führt Sprengstoff mit sich und platziert es an Objekten. Soll eine Maschine in Gang gesetzt werden, muss der Techniker mit seinem Bunsenbrenner ran. Der Agent führt ein Hack-Gerät mit sich, der feindliche Computer außer Betrieb setzt. Bei Eskortierungsaufgaben ist der Sanitäter besonders gefragt, denn er hilft der zu beleitenden Person mit Spritzen wieder auf die beide, sodass sie sich weiter in Richtung Heimbasis bewegen kann. Unnötig zu sagen, dass alle zwei Wummen, Granaten und ein Messer für Melee-Attacken bei sich führen. Schließlich will der Kontrahent zurückgeschlagen werden.

Das sind aber noch nicht alle Möglichkeiten zum entschiedenen Eingriff in das Geschehen, die die vier Typen haben. Jede Klasse verfügt außerdem über Buffs und Skills, die seinen Crewmitgliedern zu gute kommen. Der Soldat versorgt seine Kumpels mit Ammo und wirft Molotow-Cocktails; der Agent nimmt die Gestalt eines getöten Widersachers an und polt Gerätschaften der um. Der Techniker baut Torrents, repariert MG-Nester und bufft die Waffen seines Squads, während der Sani seine eigene Gesundheit und die der anderen hochputscht. Liegt ein Freund niedergestreckt aber noch lebend am Boden, gibt er ihren Wiederbelebungsspritzen, mit denen sie sich selbst wieder ins Spiel holen.

Die Sonderfähigkeiten müssen erworben werden. Das geschieht indirekt durch Erfahrungspunkte, die ihr für gelungene Aktionen erhaltet. Sie sorgen dafür, dass ihr im Rang aufsteigt. Beim Erreichen eines neuen Levels bekommt ihr Credits, die ihr in Fertigkeiten oder Waffenverbesserungen investiert. Dies wiederholt sich bis zur Level-Obergrenze 20, die geübte Zocker nach ein paar Sessions erreichen sollten. Das mag dürftig klingen, aber da jeder Spieler recht schnell am Limit ist, gibt es wenigsten keine unfairen Auseinandersetzungen.

Vorsprung durch Ring- und Renn-Technik

Damit ihr immer bescheid wisst, welche Klasse gerade gefragt und welche Aufträge gemeistert werden sollen, hat Splash Damage das äußerst nützliche Ringmenü eingeführt. Auf einen Blick erhaltet ihr einen Überblick über die Ziele samt Zahl der befreundeten Einheiten, die sich bereits um die Erledigung kümmern. Entscheid ihr euch dafür, einen Auftrag zu übernehmen, bekommen das die anderen mit. Hat ein Engineer zum Beispiel eingestellt, dass er ein Apparat reparieren will, erscheint bei den die Option „Techniker schützen“. Aktiviert ihr an einem Kommandoposten das Menü, ermöglicht es euch das schnelle Wechseln der eigenen Klasse und der mitgeführten Waffen.

Eine zweite Sache im Bereich Gameplay macht „Brink“ wirklich einzigartig: Der Freerun-Modus mit Namen Smart. Ihr drückt die Sprint-Taste und das System versucht, euch möglichst schnell von A nach B zu bringen. Es springt für euch auf Plattformen, macht Wallruns, klettert und hüpft. Ihr behaltet aber immer die Kontrolle. Rennt ihr auf ein Rohr zu und schaut nach unten, rutscht ihr drunter durch. Schaut ihr nach oben, geht’s drüber. Das ist Parkour für den Bildschirm. Das bringt nicht nur Dynamik, weil man schnell wieder an der Aktion dran ist: Aus einem Fernkampf, der manchmal über zwei Ebenen geht, wird in Null Komma nix einen Nahkampf, weil es sich dank Smart so fix auf das Gegenüber zu bewegen lässt. Dabei dürft ihr jedoch nie vergessen, dass ihr bei einer „Mirrors Edge“-Einlage leichte ins Fadenkreuz geratet.


Charakter mal 100 Billiarden

Die Dynamik hat viel mit dem jeweiligen Charakter zu tun, den ihr steuert. Wer ein schmales Heldchen als Helden auserkoren hat, hüpft wie ein Gummiball über Gräben. Dafür steckt er nicht so viel ein. Normal gebaute Figuren springen in den Graben und ziehen sich wieder raus, wobei sie einige Treffer abkönnen. Der dicke Brummer mit der Gatling-Gun hält am meisten aus, muss aber den Umweg über die Brücke nehmen. Die Entscheidung über den Körperbau hat also Auswirkungen auf das Spiel. Die anderen Möglichkeiten, die der Charakter-Editor bietet, sollen euch lediglich die Chance bieten, ein einzigartiges Avatar zusammenzubauen. Aber was heißt lediglich? Einen umfangreicheren Baukasten hat man in einem Shooter noch nicht gesehen. Vom Helm bis zur Hose darf praktisch jedes Detail verändert werden. Insgesamt sollen 100 Billiarden verschiedene Charaktere erstellbar sein, der sowohl im Solo- als auch im Koop- und Muliplayer-Einsatz kommt. Identifikation pur.

Was soll ich nur tun?

Ihr habt sicher bemerkt, dass ihr auf der Ark viele, viele Entscheidungen treffen müsst. Und es sind noch mehr als das erwähnte Aussehen, die möglichen Wege, die Klasse, der Fähigkeiten-Pick und was euch noch so alles vor eine Wahl stellt. Das geht in einer Spielrunde gerade so weiter. Bemerkenswerterweise kommt der Gesundheitsanzeige in der Beziehung eine große Bedeutung zu. Anders als momentan gängig erholt ihr nicht gleich automatisch nach Treffer und einem rot gefärbten Bildschirm. Stattdessen baut sich der lange nicht gesehene Rotkreuz-Balken ab. Also nix wie weg? Oder reicht meine Health noch für eine Aktion? Erwischt es euch doch und ihr hechelt auf dem Flur, kommt die nächste Frage: Steige ich in der nächsten Respawn-Runde ein oder hoff ich auf einen Medic? Das steigert natürlich die Chancen für den Kontrahenten, den finalen Schuss zu setzten. Dann war das Warten umsonst. Noch ein taktisches Element, dass Entwickler Splash Damage geschickt eingebaut hat.

Auf und unter die Haube gekuckt

Die Charaktere stechen nicht nur durch die feschen Outfits, Accessoires und Gesichtsmalereien hervor. Sie sind durch lange Gesichter mit großen Ohren und einem Kinn, dass Schumi neidisch macht, total überzeichnet. Sie wirken wie lebendige Karikaturen. Da beide Fraktionen auch durch deutlich unterscheidbare Uniform-Merkmale voneinander abgegrenzt werden, ist „Brink“ der Beweis, dass es eben nicht immer auf den Realismus der Modelle ankommt. Wobei die Maps wiederum durchaus Orte sein könnten, die auf der Welt zu finden sind. Das gilt sowohl für die, von der Sicherheit kontrollierten und deswegen säuberlich feinen Karten wie die Flughafen-Map, als auch für die zugemüllten Areale, in denen der Widerstand das Sagen hat. Leider leiden die Konsolenversionen an einigen kleinen Fehlern wie Umgebungen, die erst beim Nachladen fertig aussehen, und aufpoppende Elemente. Noch dazu gibt es hier und da Connect-Probleme. Patches sollen und werden das sicher beheben. Im Vergleich dazu kommt die PC-Auflage fescher um die Ecke. Da sieht alles gleich so gut aus, wie es die Engine zulässt: Etwas altbacken, aber ansprechend mit hochauflösenden Texturen und den Chararkteren als Lichtblick. Über Lags, wie sie derzeit noch vor allem bei Zockereinen zwischen Leuten zu spüren sind, die auf verschiedenen Kontinenten sitzen, können PCler aber jetzt schon nur müde lächeln. Im Zweifel richten sie sich einen Dedicated Server ein, hosten selbst und stellen ihre Filter so ein, dass niemand das feurige Treiben mies macht.

Aber zurück zur Ingame-Analyse: Die Soundeffekte sind plattformübergreifend größtenteils gelungen. Zwar klingen einige MGs und Explosionen irgendwie nicht richtig wuchtig, aber das Klicken beim Nachladen, das Schleifen beim Rutschen und die nach einem Treffer nur noch dumpf wahrnehmbaren Beschallung bilden zusammen mit dem Gros der Schusslaute eine durchaus stimmige Klangkulisse. Die automatischen Kommentare der Mitspieler, die über das aktuelle Treiben von Freund und Feind informieren, sind zu jederzeit gut zu vernehmen. Wer kann, sollte allerdings auf die englische Sprachausgabe gehen. Da kommt wesentlich mehr Drive rüber.


Fazit:

„Brink“ lässt sich definitiv nicht in den Topf werfen, in dem Shooter-Massenwaren wie „CoD“ und „Battlefield“ gekocht wird. Schon der Look entspricht so gar nicht den auswechselbaren Kriegen und Kriegern. Dazu kommt das Smart-Bewegungssystem, das einfaches Manövrieren durch das Gelände erlaubt und das Ring-Menü, mit der man ständig den Überblick im 16-Mann-Scharmützel behält. Legt sich der ein oder andere woanders gemütlich mit seinem Snipergewehr hin, muss er hier agieren. Er wird es mit jeder Klasse gerne machen, weil jede Klasse durch die persönlichen Objectives gebraucht wird und ihr Einsatz in gewissen Situationen einfach Sinn macht. Ganz nebenbei kriegen sie für die Erfüllung oder de Beihilfe zur Erfüllung einer Vorgabe zudem noch mehr Punkte als fürs stumpfe Abschießen. Dadurch erlebt man die ganzen Facetten des Spiels, wodurch die Ereignisse auf Ark intensiver wahrgenommen werden. Mittlerweile wurden Patches veröffentlicht, die das Gros der Kritikpunkte die Substanz nahmen. Und die Solokampagne ist eben Einführung in den Multiplayer, mit der „Brink“ richtig punktet. Für (mindestens 16 Jahre alte) Teamplayer und alle, die es werden möchten, ist das Spiel jedenfalls zu empfehlen.






Der Link zum Spiel: http://brinkthegame.com